Während alle nach Marrakesch strömen, entdecken Insider diese günstige Alternative in Tunesien mit 1300 Jahren Geschichte

Während Europa im Januar in Kälte und Grau versinkt, lockt Tunesien mit milden Temperaturen und kulturellen Schätzen, die man ohne Touristenmassen genießen kann. Kairouan, die viertheiligste Stadt des Islam und UNESCO-Weltkulturerbe, erweist sich gerade in diesem Monat als perfektes Ziel für ein verlängertes Wochenende. Die Temperaturen pendeln angenehm zwischen 10 und 16 Grad – ideal für ausgedehnte Besichtigungen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Die historische Stadt im tunesischen Hinterland bietet eine Zeitreise in die Glanzepoche der arabischen Zivilisation, kombiniert mit authentischem nordafrikanischem Leben fernab der Küstenresorts.

Warum Kairouan im Januar besonders reizvoll ist

Der Januar gehört zur Nebensaison, was sich positiv auf Geldbeutel und Erlebnis auswirkt. Die Medina lässt sich entspannt erkunden, ohne sich durch Menschenmassen zu drängen. Das weiche Winterlicht taucht die ockerfarbenen Mauern und verzierten Fassaden in eine besondere Atmosphäre, die Fotografen begeistert. Die lokale Bevölkerung zeigt sich in dieser ruhigeren Zeit besonders aufgeschlossen gegenüber Besuchern, und Handwerker in ihren Werkstätten nehmen sich gerne Zeit für ein Gespräch. Zudem sind die Unterkünfte deutlich günstiger als in den Hauptreisemonaten, und man findet selbst kurzfristig noch ausgezeichnete Angebote.

Die Große Moschee und weitere sakrale Schätze

Das architektonische Herzstück Kairouans ist zweifellos die Große Moschee, auch Sidi Oqba-Moschee genannt. Der monumentale Bau aus dem 7. Jahrhundert gilt als eines der bedeutendsten islamischen Bauwerke Nordafrikas. Der weitläufige Innenhof mit seinem prächtigen Säulenwald wirkt meditativ ruhig. Nicht-Muslime können den Hof und die Außenbereiche besichtigen – der Eintritt kostet etwa 8 Euro. Der massive Minarettturm überragt die gesamte Altstadt und diente jahrhundertelang als Orientierungspunkt für Karawanen.

Weniger bekannt, aber ebenso beeindruckend ist die Moschee der Drei Tore mit ihrer kunstvoll verzierten Fassade aus dem 9. Jahrhundert. Die Kuppelgräber der Stadt, darunter das Zawiya Sidi Sahab, bestechen durch ihre Fliesenarbeiten und bieten Einblicke in die sufistische Tradition Tunesiens. Für die Besichtigung dieser Stätten sollte man angemessene Kleidung tragen und einen Schal oder ein Tuch mitbringen.

Durch die lebendige Medina schlendern

Die Altstadt Kairouans ist ein Labyrinth aus engen Gassen, überdachten Passagen und versteckten Plätzen. Anders als in den touristischeren Medinas Tunesiens wirkt hier alles authentischer und weniger auf Besucher zugeschnitten. Die Souks sind nach Handwerken geordnet: Im Teppichsouk werden die berühmten Kairouan-Teppiche geknüpft, deren geometrische Muster sich von anderen tunesischen Teppichen unterscheiden. Man kann den Handwerkern bei der Arbeit zusehen, ohne sofort zum Kauf gedrängt zu werden.

Im Gewürzsouk verführen die Düfte von Safran, Kreuzkümmel und Rosenknospen die Sinne. Hier findet man auch die lokale Spezialität Makroud – mit Datteln gefüllte Grießkuchen, die in Honig getränkt werden. Ein Kilogramm dieser Köstlichkeit kostet etwa 4 bis 5 Euro und eignet sich hervorragend als Mitbringsel. Die Kupferschmiede hämmern kunstvolle Tabletts und Kannen, deren Klang durch die Gassen hallt und zur besonderen Atmosphäre beiträgt.

Die Aghlabidenbecken: Ingenieurskunst aus dem Mittelalter

Etwas außerhalb der Medina befinden sich die imposanten Aghlabidenbecken, ein ausgeklügeltes Wasserspeichersystem aus dem 9. Jahrhundert. Diese kreisrunden Becken versorgten einst eine Stadt mit 100.000 Einwohnern und zeugen von der technischen Raffinesse der damaligen Zeit. Der Spaziergang dorthin führt durch ruhigere Wohnviertel und bietet Gelegenheit, das alltägliche Leben zu beobachten. Der Eintritt beträgt etwa 5 Euro, und die Anlage ist ein wunderbarer Ort für eine Pause fernab des Trubels.

Kulinarische Entdeckungen für den schmalen Geldbeutel

Kairouan bietet ausgezeichnete Möglichkeiten, die tunesische Küche kennenzulernen, ohne viel Geld auszugeben. In den kleinen Lokalen rund um die Medina bekommt man ein herzhaftes Couscous-Gericht mit Gemüse und Lamm für 6 bis 8 Euro. Die tunesische Variante des Couscous ist oft würziger als die marokkanische und wird mit einer kräftigen Harissa-Sauce serviert.

Für ein schnelles Mittagessen bieten sich die zahlreichen kleinen Imbisse an, die Brik servieren – knusprige Teigtaschen gefüllt mit Ei, Thunfisch oder Hackfleisch für etwa 2 bis 3 Euro. Dazu passt ein frisch gepresster Orangensaft, der im Januar besonders aromatisch ist und nur etwa 1 Euro kostet. Die Orangen aus der Region gehören zu den besten des Landes.

Zum Frühstück empfiehlt sich ein Besuch in den traditionellen Cafés, wo ein kräftiger tunesischer Kaffee mit einer Auswahl an frischem Gebäck etwa 3 Euro kostet. Die Atmosphäre dieser Lokale, in denen sich hauptsächlich Einheimische treffen, ist unbezahlbar und vermittelt ein authentisches Bild des lokalen Lebens.

Praktische Hinweise zur Fortbewegung

Kairouan liegt etwa 160 Kilometer südlich von Tunis und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Busverbindungen vom Hauptbahnhof in Tunis sind zuverlässig und kosten etwa 7 bis 9 Euro für die einfache Fahrt. Die Fahrt dauert rund zwei Stunden und bietet unterwegs interessante Ausblicke auf die Olivenhaine und Salzebenen Zentraltunesiens.

Innerhalb der Stadt bewegt man sich am besten zu Fuß. Die Medina ist kompakt und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen in Laufnähe zueinander. Für die etwas weiter entfernten Aghlabidenbecken kann man eine kurze Taxifahrt nehmen, die etwa 3 bis 4 Euro kostet. Die Taxifahrer sind in der Regel ehrlich, aber man sollte den Preis vor Fahrtantritt vereinbaren oder darauf bestehen, dass das Taxameter eingeschaltet wird.

Übernachtungsmöglichkeiten mit Charme

Im Januar findet man in Kairouan ausgezeichnete Unterkünfte zu günstigen Preisen. Kleine traditionelle Gästehäuser in der Medina bieten Zimmer mit lokalem Charakter ab etwa 25 bis 35 Euro pro Nacht. Diese oft familiengeführten Unterkünfte liegen meist in restaurierten historischen Gebäuden mit Innenhöfen und bieten ein authentisches Erlebnis.

Wer es etwas komfortabler mag, findet auch moderne Mittelklasse-Unterkünfte außerhalb der Medina für 40 bis 60 Euro pro Nacht. Diese verfügen meist über Heizung, was im Januar durchaus angenehm sein kann, da die Nächte kühl werden. Ein Frühstück ist oft im Preis inbegriffen und bietet neben internationalen Optionen auch lokale Spezialitäten.

Kleidung und Vorbereitung

Der Januar in Kairouan erfordert Zwiebellook. Tagsüber reichen oft eine leichte Jacke und langärmelige Kleidung aus, für die Abende und frühen Morgenstunden sollte man jedoch wärmere Schichten einpacken. Bequeme Schuhe sind unverzichtbar, da man viel auf unebenem Pflaster unterwegs ist. Ein leichter Schal oder ein großes Tuch ist praktisch – sowohl als Schutz vor Wind als auch für den Besuch religiöser Stätten.

Da Kairouan eine heilige Stadt ist, empfiehlt sich generell eine etwas konservativere Kleidung. Das bedeutet nicht, dass man sich völlig verhüllen muss, aber Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Diese Rücksichtnahme wird von der lokalen Bevölkerung geschätzt und öffnet Türen zu herzlicheren Begegnungen.

Zeitplanung für ein Wochenende

Ein verlängertes Wochenende genügt, um die Hauptattraktionen Kairouans in Ruhe zu erkunden. Der erste Tag kann der Großen Moschee und den umliegenden sakralen Bauten gewidmet werden, gefolgt von einem ersten Bummel durch die Medina. Der zweite Tag eignet sich perfekt für die Aghlabidenbecken am Vormittag und eine ausgedehnte Erkundung der verschiedenen Souks am Nachmittag. Wer einen dritten Tag zur Verfügung hat, kann einen Ausflug in die Umgebung unternehmen oder sich einfach treiben lassen und die besondere Atmosphäre der Stadt auf sich wirken lassen.

Die entspannte Atmosphäre im Januar lädt dazu ein, das Tempo zu drosseln und sich Zeit für spontane Begegnungen zu nehmen. Ein Gespräch mit einem Teppichknüpfer über sein Handwerk oder ein längerer Aufenthalt in einem Café beim Beobachten des Treibens können zu den wertvollsten Erinnerungen werden. Kairouan offenbart seine Schönheit denjenigen, die bereit sind, innezuhalten und genau hinzusehen – eine Qualität, die in unserer hektischen Zeit besonders kostbar ist.

Was reizt dich an Kairouan im Januar am meisten?
Leere Medina ohne Touristenmassen
Milde 10 bis 16 Grad
Günstige Preise in Nebensaison
Authentisches nordafrikanisches Leben
Perfektes Winterlicht für Fotos

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