Wer sich einen neuen Mac zulegt oder bereits stolzer Besitzer eines Apple-Rechners ist, stößt früher oder später auf eine faszinierende Funktion: die Möglichkeit, iOS-Apps direkt auf dem Mac zu nutzen. Doch nicht jeder Mac beherrscht diesen Trick – und genau hier beginnt oft die Verwirrung. Während einige Nutzer problemlos ihre Lieblings-iPhone-Apps auf dem großen Bildschirm verwenden, schauen andere in die Röhre. Der Grund liegt in der Hardware-Architektur, die Apple in den letzten Jahren grundlegend verändert hat.
Der große Unterschied: Intel vs. Apple Silicon
Die entscheidende Trennlinie verläuft zwischen Macs mit Intel-Prozessoren und jenen mit Apples eigenen Chips. Seit November 2020 stattet Apple seine Rechner schrittweise mit selbst entwickelten Prozessoren aus – zunächst die M1-Serie, gefolgt von M2 und inzwischen auch M3. Diese Apple Silicon genannten Chips basieren auf der ARM-Architektur, die auch in iPhones und iPads zum Einsatz kommt. Intel-Macs hingegen nutzen die x86-Architektur, die seit Jahrzehnten in herkömmlichen PCs Standard ist.
Diese technische Verwandtschaft zwischen iPhone und Apple-Silicon-Macs macht den entscheidenden Unterschied. iOS-Apps sind für ARM-Prozessoren geschrieben und laufen deshalb auf M-Chip-Macs nativ – mit minimalen Anpassungen. Ein Intel-Mac hingegen spricht buchstäblich eine andere Sprache und kann iOS-Apps nicht ohne weiteres interpretieren. ARM und x86 sind völlig unterschiedliche Architekturen, die einen anderen Code benötigen.
Warum iOS-Apps auf dem Mac überhaupt Sinn ergeben
Bevor wir tiefer eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die Vorteile dieser Funktion. Viele Entwickler haben hervorragende iOS-Apps geschaffen, die es nie als vollwertige Mac-Version gab. Denken wir an spezialisierte Kreativ-Tools, Nischen-Produktivitätsapps oder unterhaltsame Spiele, die primär für Touchscreens entwickelt wurden. Mit Apple Silicon können Mac-Nutzer plötzlich auf einen riesigen App-Katalog zugreifen, der bisher mobilen Geräten vorbehalten war.
Besonders praktisch wird es bei Apps, die ihr bereits auf dem iPhone nutzt: Notiz-Apps, Aufgabenverwaltungen oder spezialisierte Fotobearbeitungs-Tools synchronisieren sich nahtlos über iCloud und bieten ein konsistentes Erlebnis über alle Geräte hinweg.
So erkennt ihr, ob euer Mac iOS-Apps unterstützt
Die Identifikation ist glücklicherweise unkompliziert. Klickt auf das Apple-Logo oben links und wählt Über diesen Mac. Im erscheinenden Fenster seht ihr unter Chip oder Prozessor die entscheidende Information:
- Apple M1, M2 oder M3 (eventuell mit Zusätzen wie Pro, Max oder Ultra) – Glückwunsch, iOS-Apps sind möglich
- Intel Core i5, i7 oder i9 – Leider keine native iOS-App-Unterstützung
Alternativ könnt ihr auch die Systeminformationen aufrufen, indem ihr bei gedrückter Wahltaste auf das Apple-Logo klickt. Dort findet ihr unter Hardware detailliertere Angaben zum verbauten Chip.
Was bedeutet das konkret im App Store?
Besitzer eines Apple-Silicon-Macs finden im Mac App Store einen erweiterten Katalog. Viele – aber nicht alle – iOS-Apps tauchen dort als installierbare Option auf. Dabei haben Entwickler die Wahl, ob sie ihre iOS-App für Mac freigeben möchten. Manche Apps funktionieren ohne Maus und Tastatur schlichtweg nicht sinnvoll, weshalb Entwickler die Mac-Verfügbarkeit bewusst blockieren.

Auf einem Intel-Mac hingegen erscheinen diese iOS-Apps erst gar nicht in den Suchergebnissen. Ihr seht lediglich klassische Mac-Apps, die explizit für macOS entwickelt wurden. Das erklärt, warum Freunde mit neueren Macs bestimmte Apps installieren können, während sie bei euch nicht einmal auffindbar sind.
Workarounds und Alternativen für Intel-Mac-Nutzer
Bedeutet das das Ende der Fahnenstange für Intel-Mac-Besitzer? Nicht unbedingt. Es gibt durchaus Möglichkeiten, bestimmte mobile Erfahrungen auch auf älteren Macs zu realisieren. Viele populäre Apps bieten mittlerweile vollwertige Web-Anwendungen an, die im Browser laufen. Instagram, WhatsApp oder diverse Produktivitätstools funktionieren browserbasiert auf jedem Mac – unabhängig vom Prozessor. Die Funktionalität ist oft identisch oder zumindest vergleichbar mit der mobilen App.
Einige moderne Webanwendungen lassen sich als Progressive Web Apps installieren, die sich fast wie native Apps verhalten. In Safari oder Chrome könnt ihr Websites zum Dock hinzufügen und sie in einem eigenen Fenster ohne Browser-Interface nutzen. Für fast jede beliebte iOS-App existiert zudem eine Mac-Alternative – manchmal vom selben Entwickler, manchmal von Drittanbietern. Investiert ein paar Minuten in die Recherche, und ihr werdet häufig fündig.
Die Performance-Frage bei iOS-Apps auf dem Mac
Selbst wenn ihr einen M-Chip-Mac besitzt, solltet ihr eure Erwartungen anpassen. iOS-Apps sind für Touchscreens und kleinere Displays konzipiert. Auf einem 27-Zoll-Monitor wirken sie manchmal merkwürdig skaliert oder bieten ein suboptimales Benutzererlebnis mit Maus und Tastatur. Gesten, die auf dem iPhone intuitiv sind, können am Desktop umständlich werden.
Die Apple-Silicon-Chips bieten mehrere Vorteile, darunter höhere Leistung pro Watt, längere Akkulaufzeiten und geringere Wärmeentwicklung. Die M-Chips haben zwei Arten von Prozessorkernen: Hochleistungs- und Effizienzkerne. Diese sorgen dafür, dass Hintergrundprozesse den Computer nicht ausbremsen. Dennoch sind native Mac-Apps, die von Grund auf für macOS entwickelt wurden, meist die bessere Wahl, wenn sie verfügbar sind.
Zukunftsperspektive: Apples Vision der Plattformkonvergenz
Apple verfolgt mit Apple Silicon eine langfristige Strategie. Die Vereinheitlichung der Prozessorarchitektur über iPhone, iPad und Mac hinweg schafft ein Ökosystem, in dem Software-Entwicklung effizienter wird. Entwickler können mit vergleichsweise geringem Mehraufwand Apps für alle Plattformen optimieren.
Für Intel-Mac-Nutzer bedeutet dies allerdings auch, dass der technologische Graben breiter wird. Der letzte Mac, der von Intel auf Apple Silicon umgestellt wurde, war der Mac Pro im Juni 2023. Der Software-Support für Intel-Macs wird in den kommenden Jahren sukzessive nachlassen. Wer langfristig plant und Wert auf Zukunftssicherheit legt, sollte beim nächsten Mac-Kauf definitiv zu einem Apple-Silicon-Modell greifen. Die Kompatibilität zwischen verschiedenen Mac-Generationen bleibt ein spannendes Thema, das auch in Zukunft relevant bleiben wird.
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