Reiswaffeln gelten als gesunder Snack für zwischendurch, als leichte Alternative zu Chips und Keksen. Doch eine Frage beschäftigt viele Verbraucher: Woher stammt der Reis eigentlich, der in diesen knusprigen Scheiben verarbeitet wurde? Die Antwort darauf ist häufig alles andere als transparent, und dahinter verbirgt sich ein Problem, das über fehlende Angaben hinausgeht.
Wenn die Herstellungsangabe nicht alles verrät
Auf vielen Reiswaffel-Verpackungen findet sich der Hinweis „Hergestellt in Deutschland“ oder „Produziert in der EU“. Das vermittelt Vertrauen und lässt Käufer häufig davon ausgehen, dass auch die Rohstoffe aus heimischen oder zumindest europäischen Gefilden stammen. Doch diese Annahme kann trügerisch sein: Die Herstellungsangabe bezieht sich lediglich auf den Ort, an dem die Reiswaffeln gepresst und verpackt wurden – nicht zwingend auf die Herkunft des Reises selbst.
In Europa wird Reis unter anderem in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland angebaut. Auch in Österreich gibt es Reisanbau, beispielsweise durch den Bio-Bauernhof ÖsterReis in Gerasdorf bei Wien, der Reis im speziellen Trockenreis-Verfahren anbaut und vor Ort zu Reiswaffeln verarbeitet. Die europäischen Mengen decken jedoch nicht den gesamten Bedarf der Lebensmittelindustrie. Ein erheblicher Teil des verarbeiteten Reises stammt daher aus außereuropäischen Regionen, deren Anbaumethoden und Qualitätsstandards sich erheblich unterscheiden können.
Das eigentliche Problem: Arsen und andere Schadstoffe
Die Herkunftsfrage ist nicht nur eine Frage der Transparenz, sondern vor allem eine der Produktqualität und Gesundheit. Reis kann mit Schadstoffen belastet sein, und besonders problematisch ist dabei Arsen. Diese giftige Substanz gelangt durch das bei der Bewässerung verwendete Wasser in die Reispflanzen, vor allem beim traditionellen Nassfeldbau, bei dem die Felder geflutet werden.
Die Arsenbelastung in Reiswaffeln ist durch mehrere unabhängige Tests bestätigt worden. Ein Öko-Test von 20 Reiswaffel-Produkten wies in allen getesteten Produkten anorganisches Arsen nach. Sechs Produkte erhielten sogar die Bewertung „ungenügend“. Forscher der Universität Bayreuth identifizierten hohe Konzentrationen einer Arsenverbindung in Reiswaffeln, woraufhin der Wissenschaftler Stephan Clemens öffentlich erklärte: „Ich rate meinem Bekanntenkreis, von Reiswaffeln vorerst Abstand zu nehmen.“
Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt aufgrund der Arsenaufnahme maximal 20 Gramm Reiswaffeln pro Woche für Kinder bis zu drei Jahren. Gerade für die Kleinen, die häufig Reiswaffeln als Snack bekommen, kann die regelmäßige Belastung bedenklich sein. Neben Arsen lassen sich auch Schwermetalle wie Cadmium und Blei in Reiswaffeln nachweisen, ebenso ein hoher Gehalt an Acrylamid. Die Schadstoffbelastung ist kein Einzelfall, sondern ein grundsätzliches Problem bei diesem beliebten Snack.
Nicht alle Reissorten sind gleich belastet
Die gute Nachricht: Nicht alle Reissorten und Anbaumethoden sind gleichermaßen belastet. Basmati- und Jasminreis enthalten deutlich weniger Arsen als andere Sorten, da diese aromatischen Reissorten in der Regenzeit angebaut werden und somit weniger arsenbelastetes Grundwasser benötigen. Wer Reiswaffeln aus diesen Sorten wählt, reduziert das Risiko bereits erheblich.
Besonders interessant ist das bereits erwähnte Trockenreis-Verfahren, wie es etwa in Österreich praktiziert wird. Bei diesem Verfahren werden die Felder nicht geflutet, sondern nur kontrolliert bewässert. Der so angebaute Reis ist laut jährlicher Labor-Kontrolle durch die LVA GmbH komplett frei von Arsen. Dies zeigt, dass moderne Anbaumethoden die Schadstoffbelastung erheblich reduzieren können – wenn Hersteller bereit sind, in diese Verfahren zu investieren.
Bio-Siegel allein bietet keine Garantie
Viele Verbraucher greifen zu Bio-Produkten in der Annahme, diese seien automatisch weniger belastet. Diese Annahme ist jedoch nicht pauschal richtig. Von den sechs mit „ungenügend“ bewerteten Produkten im Öko-Test trugen mehrere das Bio-Siegel, darunter Bio Sonne Bio-Reiswaffeln, Bio Zentrale Reiswaffeln Natur, Byodo Reiswaffeln, Dennree Reis Waffeln und Lima Reiswaffeln Bio.

Das zeigt deutlich: Bio-Zertifizierung allein ist keine Garantie für niedrige Arsenbelastung. Entscheidend ist vielmehr die Anbaumethode. Kontrollierter Bio-Anbau mit speziellen Verfahren wie dem Trockenreis-Verfahren kann jedoch tatsächlich arsenfreie oder zumindest deutlich weniger belastete Produkte ermöglichen. Die Kombination aus Bio und innovativer Anbaumethode macht den Unterschied.
Wie erkennt man weniger belastete Produkte?
Die Spurensuche nach unbedenklichen Reiswaffeln erfordert Aufmerksamkeit. Verbraucher sollten die Zutatenliste genau lesen, denn manchmal findet sich dort ein Hinweis auf die verwendete Reissorte oder die Anbaumethode. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann direkt beim Hersteller nachfragen, welche Reissorte verwendet wird und wie der Anbau erfolgt. Viele Unternehmen geben auf direkte Anfrage per E-Mail oder Telefon Auskunft – zumindest die, die nichts zu verbergen haben.
Produkte aus Trockenreis-Anbau oder mit explizitem Hinweis auf arsenarme Anbaumethoden sollten bevorzugt werden. Auch die Reissorte spielt eine Rolle: Reiswaffeln aus Basmati- oder Jasminreis können weniger belastet sein als solche aus anderen Sorten. Regionale Produkte mit transparenter Herstellung, bei denen Hersteller die Herkunft und Verarbeitung offen angeben und ihre Produkte regelmäßig kontrollieren lassen, verdienen Vertrauen.
Was können Verbraucher konkret tun?
Trotz der komplexen Situation sind Verbraucher nicht machtlos. Bewusstes Einkaufen und gezieltes Nachfragen können zu besseren Produkten führen. Aktiv nachfragen ist der erste Schritt: Kontaktieren Sie Hersteller und fragen Sie konkret nach der Reissorte, der Anbaumethode und eventuellen Schadstoffkontrollen. Je mehr Verbraucher dies tun, desto eher werden Unternehmen auf Transparenz und Qualität setzen.
Unternehmen mit transparenter Deklaration sollten beim Einkauf bevorzugt werden. Wer freiwillig Informationen über Herkunft und Anbau angibt, hat offensichtlich weniger zu verbergen. Verbraucherzentralen können ebenfalls helfen: Melden Sie auffällige Produkte oder fehlende Informationen. Verbraucherzentralen prüfen solche Fälle und setzen sich für bessere Standards ein.
Gerade bei Kindern sollte der Verzehr von Reiswaffeln maßvoll erfolgen und durch andere Snacks ergänzt werden. Die Empfehlung des bayerischen Landesamts von maximal 20 Gramm pro Woche für Kleinkinder sollte ernst genommen werden. Abwechslung bei der Snack-Auswahl schützt nicht nur vor einseitiger Schadstoffbelastung, sondern sorgt auch für eine ausgewogenere Ernährung.
Ein Problem, das über Reiswaffeln hinausgeht
Die Frage nach Herkunft und Qualität beschränkt sich nicht auf Reiswaffeln. Sie zieht sich durch zahlreiche Produktkategorien im Supermarkt: von Fruchtjoghurts über Tiefkühlpizza bis zu Fertigsuppen. Reiswaffeln sind ein besonders prägnantes Beispiel, weil hier die gesundheitlichen Auswirkungen durch Schadstoffbelastung wissenschaftlich gut dokumentiert sind. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Universität Bayreuth und die unabhängigen Tests von Öko-Test liefern eindeutige Belege.
Die Arsenbelastung in Reiswaffeln ist real und durch mehrere unabhängige Untersuchungen belegt. Das bedeutet nicht, dass Reiswaffeln grundsätzlich gemieden werden müssen, aber ein bewusster Umgang ist geboten. Wer Reiswaffeln kauft, sollte auf die Reissorte, die Anbaumethode und die Transparenz des Herstellers achten. Besonders für Kinder empfiehlt es sich, den Konsum zu begrenzen und auf Produkte aus nachweislich schadstoffarmer Produktion zurückzugreifen.
Verbraucher, die kritisch hinterfragen und gezielt nachfragen, tragen dazu bei, dass Hersteller transparenter werden und in bessere Qualität investieren. Die unscheinbare Reiswaffel im Supermarktregal wird so zum Ausgangspunkt für bewusstere Kaufentscheidungen. Jede Nachfrage bei einem Hersteller, jede bewusste Entscheidung für ein transparentes Produkt sendet ein Signal an die Lebensmittelindustrie: Verbraucher wollen wissen, was sie essen, und sie sind bereit, für bessere Qualität auch etwas mehr zu zahlen.
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